Andas Nachbarn: Der Kindergarten La Sonrisa

Die Anda Sprachschule ist umgeben von interessanten Nachbarn. Wir haben uns vorgenommen, sie besser kennen zu lernen und euch nach und nach in unserem Blog vorzustellen. Wir beginnen mit einem extrabreiten „Lächeln“ – denn so heißt der deutsch-spanische Kindergarten „La Sonrisa“ im Hinterhof der Rigaer Straße 4.

LA Sonrisa Kindergarten Logo mit Raupe

Eine Sprache, eine Person. Das ist der Grundpfeiler der deutsch-spanischen und montessori-orientierten Kita La Sonrisa. Als erste ihrer Art in Friedrichshain, ist sie direkter Nachbar der Anda Sprachschule. Wir wollten genauer wissen, wer oder was sich hinter dem sonnengelben Raupenlogo verbirgt, und haben uns mit der Kita-Gründerin und -Leiterin Elizabeth Mora-Borst zum Interview verabredet.

Jeden Tag laufe ich daran vorbei und frage mich: Was verbirgt sich hinter dem Klingelschild „La Sonrisa“?

Das ist der Kindergarten La Sonrisa, jetzt in der Rigaer Straße. Wir haben schon einen Kindergarten in der Jessner Straße. Den in der Rigaer gibt es seit September 2013, wir sind also noch im Aufbau. Jetzt haben wir 21 Kinder, insgesamt werden es 26 Kinder sein. Wir arbeiten nach dem Konzept „eine Sprache, eine Person“, das heißt die spanischsprachige Erzieherin spricht mit den Kindern nur Spanisch und die deutsche nur Deutsch. Wir haben zwei deutsche und zwei spanische Erzieherinnen und eine Leitung, das bin ich. Die meisten Kinder kommen aus dem spanischsprachigen Raum, davon die meisten aus Spanien, drei, vier Kinder sind aus Mexiko und wir haben noch dazu ein russisches und ein afrikanisches Kind.

Haben die auch einen spanischsprachigen Hintergrund?

Nein, das russische Kind spricht weder Deutsch noch Spanisch, aber das kommt noch. Die Eltern sind beide Russen, wollen aber, dass ihr Sohn bei uns Deutsch und Spanisch lernt und bis jetzt hatten wir keine Probleme. Er spricht Russisch mit den Kindern und die Kinder sprechen mit ihm Spanisch, und es klappt. Sie brauchen keine Sprache, um zu spielen.

Welche Bedeutung hat für Sie der Name „La Sonrisa“?

Ich habe mehrere Kinder gefragt, bevor ich mich für den Namen entschieden habe und meine Nichte meinte, viele Leute verbinden die Sonne mit dem Lachen. Wenn die Sonne scheint, dann lächelt man automatisch. Und diese Verbindung fand ich schön.

Wie kam La Sonrisa in die Rigaer Straße?

Ich habe einen Garten entdeckt. Ich hatte Räume gesucht, und mir hat hier gefallen, dass es im Hinterhof ist und der Garten noch dazu. Das war immer mein Traum, eine Kita mit einem Garten.

Wie sehen denn typische Abläufe und Aktivitäten in La Sonrisa aus?

Unsere Öffnungszeiten sind von acht bis sechzehn Uhr dreißig. Um acht Uhr dreißig gibt es Frühstück. In den meisten Kitas ist es ja so, dass die Eltern den Kindern eine Brotzeitdose mit Frühstück und Vesper mitgeben. Bei uns decken die Kinder selbst den Tisch. Das gehört zur Montessori-Pädagogik, zur Förderung der Selbständigkeit. Und es geht auch um Sprachförderung, um Werte und Normen: Zu sagen „Gib mir…“, „bitte“, „danke“ – das wird auch vermittelt.
Nach dem Händewaschen und Freispiel machen wir von neun Uhr zwanzig bis zehn den Morgenkreis, und der findet bilingual statt. Die Kinder werden auf Spanisch und Deutsch begrüßt, dann gibt es bestimmte Lieder. Wir machen Morgenkreis am Montag und Dienstag. Am Mittwoch kommt Lucio, unsere Fachkraft aus Argentinien, um eine Stunde Musik mit den Kindern zu machen. Am Donnerstag ist Ausflugstag, da wird nur kurz besprochen, was wir vorhaben, da gibt es immer ein bestimmtes Thema. Am Freitag machen wir wieder Morgenkreis, aber mit den Großen und Kleinen getrennt, damit die Kinder die Möglichkeit haben, sich selbst zu äußern. Da kommen andere Themen. Neulich hat ein Kind gefragt: „Was ist denn dein Papa?“ Und das andere Kind sagt: „Polizist. Ich möchte auch Polizist werden.“ Und plötzlich haben die Kinder eine halbe Stunde nur geredet. Zum Schluss haben wir gefragt, ob wir ein Lied singen möchten, um den Morgenkreis zu beenden, und dann haben sie gesagt, nein, wir wollen rausgehen. Und das respektieren wir auch. Es soll von den Kindern kommen und das ist Montessori. Natürlich haben wir Pädagogen alle einen Plan B in der Tasche für alle Fälle, aber die Ideen sollen von den Kindern kommen.

Was dürfen wir über Sie als Kita-Leiterin erfahren?

Ich bin geborene Nicaraguanerin, daher ist meine Muttersprache Spanisch. In Deutschland bin ich seit 23 Jahren, von Beruf bin ich staatlich anerkannte Erzieherin und Krankenschwester. Ich habe selber drei Kinder, die zweisprachig aufgewachsen sind, aber sie sind schon groß, meine älteste Tochter wird 22 Jahre alt.

Was sind Ihre Ideale und Ideen als Leiterin einer Kita?

Mein Wunsch ist es – da wir eine so kleine Kita sind –, dass unser Verhältnis zu den Eltern partnerschaftlich ist. Man kann nicht sagen, wir sind alle befreundet, aber der Umgang ist anders. Es fängt damit an, dass die Eltern mich duzen. Da ich auch die Engewöhnung von dreizehn Kindern gemacht habe, zusammen mit der deutschen Erzieherin, bin ich für manche Eltern ihre Erzieherin. Damit man gut miteinander klar kommt, ist die Kommunikation wichtig, der respektvolle Umgang. Und natürlich, dass die Eltern uns unterstützen. Die spanischen Eltern sollen mit ihren Kindern Spanisch sprechen, damit das, was wir hier machen, auch zu Hause weiter fortgeführt wird. Leider Gottes gibt es viele spanische Eltern, die glauben, jetzt müssten sie mit ihrem Kind Deutsch sprechen, damit es schnell Deutsch lernt. Aber das ist der falsche Weg. Nach dem Konzept „Eine Sprache, eine Person“ muss jede Person ihre Muttersprache mit dem Kind sprechen. Denn man überträgt nicht nur die Sprache, sondern auch die Kultur. Auch der Klang, wie ich artikuliere. Erstaunlicherweise hat ein Kind zu mir „Gracias“ (mit dem „c“ wie das englische „s“) gesagt; kommt die spanische Mutter und es sagt „Gracias“ (mit dem „c“ wie das englische „th“). Das ist die emotionale Bindung zu dieser Person, die Übertragung der Kultur. Die Kinder sind nicht doof, die wissen ganz genau, was sie tun.

Vor welchen Herausforderungen steht die Kita aktuell?

Naja, wie gesagt sind wir noch im Aufbau. Die meisten Sachen sind schon da, die vierte Erzieherin habe ich heute eingestellt, das heißt das Team ist komplett. Dann dürfen noch die fehlenden fünf Kinder kommen und wir hätten die Rigaer komplett. Das Haus (ein Spielhaus mit Rutsche) kam vor zwei Wochen, da fehlen nur die Bänke dort unten, wir brauchen ein Regal und ein paar Details. Und im Juli oder August wollen wir die Einweihung feiern.
Foto: Lächelnde Raupe. Hinter dem bunten Logo verbirgt sich die deutsch-spanische Kita La Sonrisa (© Anda)